Batman V Superman

Script-Doctoring: Kryptonischer Film V Filmisches Kryptonit

Aus einem guten Drehbuch kann ein schlechter Film werden, aber aus einem schlechten Drehbuch kein guter Film. Dieses Dilemma wird auch den Filmen des DC-Universums in den Kritiken bescheinigt. »Batman V Superman – Dawn Of Justice« (USA 2016) blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Die Konsequenz? Ideen gesammelt. Story umgeschrieben.

In der länger zurückliegenden Film-Essay-Reihe habe ich einmal in einem Beitrag geäußert, dass die damals bereits getroffenen Entscheidungen auf dem Weg zum Leinwand-Duell von Batman und Superman äußerst inspiriert gewesen sind. Auch die ersten Trailer haben thematisch und atmosphärisch äußerst vielversprechend gewirkt: Die Welt innerhalb des Films muss mit den Ereignissen aus »Man Of Steel« (USA 2013) und dem Vorhandensein von Superman lernen umzugehen. Die Trailer deuteten an, dass die zugehörigen gesellschaftlichen, politischen und globalen Konsequenzen wahrscheinlich intensiv diskutiert werden. Es wäre die richtige und entscheidende Richtung gewesen, um anspruchsvolles Popcorn-Kino auf die Leinwand zu bringen.

Die Erwartungen an den Film waren zwar nicht übermäßig groß, aber das Interesse geweckt. Trotz der überaus schlechten Kritiken, die der Film erhalten hat, ging es mit Freunden und nochmals gesenkten Erwartungen ins Kino. Der Film ist unterhaltsam und solide inszeniert. Auch hatten wir keine schlechte Zeit im Kino. Dennoch führt kein Weg an dem »ABER« vorbei. Zwar ist die Enttäuschung keinesfalls von Kaliber eines »The Dark Knight Rises« (USA 2012) gewesen, aber zu viele inhaltliche Unstimmigkeiten, Unverständlichkeiten und Unsinnigkeiten durchziehen die Story von Anfang bis Ende und schaden dem Film. Insbesondere die Motivationen und Ziele wichtiger Charaktere sind nicht nachvollziehbar. Der schlimmste Augenblick ist wohl aber, als Superman von Batman allein aufgrund genetischer Unterschiede die Menschlichkeit und das Menschsein aberkannt werden. Sein bisheriges Leben als Mensch und unter Menschen werden somit als nichtig abgestempelt. Geradezu albern ist hingegen, dass Batman, der alles daransetzt, Superman zu vernichten, wenige Sequenzen nach dem Ende dieses Konflikts bereits voller Überzeugung und Selbstverständlichkeit sagt, dass er ein Freund von Superman ist. Auch die inzwischen um eine halbe Stunde verlängerte und nun dreistündige Fassung des Films beseitigt diese Fehler nicht wirklich. Abhilfe würde nur eine Überarbeitung der Story und des Drehbuchs schaffen, was aber noch vor Drehbeginn hätte stattfinden müssen.

Jeff Bewkes, Time-Warner-CEO, äußerte neulich, dass die Filme des DC-Universums, die bei Kritikern und Publikum bisher mehr oder weniger durchgefallen sind, Potential zur Verbesserung hätten. Allerdings sprach er nicht vom Inhalt, sondern vom Ton, denn die Filme wären zu ernst und düster. Die Leichtigkeit fehlt. – Das sehe ich nicht ganz so. Der dunklere Ansatz – für Hollywood-Verhältnisse – gefällt mir. Jedoch sollten die Filme inhaltlich mehr hergeben und dadurch sich und das Publikum ernstnehmen. Sieht man sich die Trailer der letzten und der sich im Dreh befindlichen Filme des DC-Universums an – »Suicide Squad« (USA 2016), »Wonder Woman« (USA 2017) und »Justice League« (USA 2017) – stellt sich das mulmige Gefühl ein, dass sich das Problem immer wiederholt. Die Trailer vermitteln weder Story noch Themen, sondern nur Charakter-Eigenschaften und Geschehen.

Nach dem Abspann zeigte die Diskussion schnell, dass unsere Empfindungen in dieselben Richtungen gingen. Und auf einmal wurde ich gefragt, ob ich auch hier eine neue Drehbuch-Fassung schreiben würde, wie ich es bereits mit »Gotham City« (D 2014) getan habe. Die Entscheidung war schon lange gefällt: Nein. Einige Zeit vorgespult und zufällig hatten sich ein paar Ideen ergeben, wie ich es geschrieben hätte. Der Film hat leider zu viele Chancen verschenkt, gegenwärtige globale Geschehnisse und Entwicklungen aufzugreifen und sie auf die Charaktere zu projizieren. Allein die Flüchtlingsthematik bietet sich an. Superman ist zwar als Mensch aufgewachsen, aber dennoch ein Flüchtling aus einer zerstörten Welt.

Langsam ergaben sich immer mehr Ideen, wie eine alternative Variante des Films aussehen könnte und ich entschloss mich, diese doch zu Papier zu bringen. Dieses Mal allerdings nicht als vollständiges Drehbuch und auch nicht auf Englisch, aber zumindest als Treatment. Darin wird der gesamte Ablauf der Story geschildert. Es bildet die Grundlage für die spätere Ausarbeitung eines Drehbuchs. Die entstandenen 35 Seiten enthalten nicht nur viele Neuerungen, sondern auch viel Bekanntes aus dem Film, mit dem dennoch gespielt wurde, so dass neue Variationen entstanden sind. Besonders wichtig ist mir jedoch gewesen, dass das Dilemma und die Tragödie, die jeder der beiden Protagonisten mit sich bringt, mehr in den Vordergrund treten. Gleichzeitig soll deren Auseinandersetzung und Konfrontation auch zur Metapher des schwelenden gesellschaftlichen Konflikts im Film werden.

Wer einen Eindruck vom Treatment gewinnen will und entscheiden möchte, wie gelungen oder etwa doch misslungen dieser Entwurf ist, findet es weiter unten zum Download. Idealerweise sollte man zuerst den Film schauen und erst danach die Lektüre folgen lassen, um die Änderungen besser nachvollziehen zu können. Feedback wird wie üblich gern entgegengenommen unter: clemens.langer@uni-rostock.de

 

DAS DREHBUCH STEHT NICHT ZUM DOWNLOAD ZUR VERFÜGUNG!