Psych (USA 2006-2014)

PSYCH (USA 2006-2014), diese Serie steht für unendlich viele kreative Ideen und endlosen Spaß über acht Staffeln hinweg. Die Krimi-Serie über einen, ähem, hellseherischen Detektiv namens Shawn Spencer und seinen besten Freund Burton „Gus“ Guster ist eine Mischung ganz besonderer Stile und Elemente aus Serien wie MONK (USA 2002-2009) und DR. HOUSE (USA 2004-2012). Gewürzt wird das alles mit pausenlosem Klamauk und einem Dauerfeuer an populärkulturellen Anspielungen. Quasi das Beste dieser Welten. Das ist allerdings nicht für alle Zuschauer etwas. Wer aber Freude an Klamauk und Absurditäten hat, die in dieser Serie in einer Überzahl zur Schau gestellt werden, wird in Sachen Unterhaltung, garniert mit einem gewissen Anspruch, fündig und belohnt.

Alles geht mit einer Lüge los: Damit Shawn Spencer nicht selbst plötzlich zum Kreis der Verdächtigen gezählt wird, muss er auf die Lüge zurückgreifen, dass er einen Tipp nur aufgrund seiner hellseherischen Fähigkeiten geben konnte, obwohl es eigentlich nur seiner antrainierten und übermäßig ausgeprägten Aufmerksamkeit zu verdanken ist. Diese Lüge zieht sich immer mehr in die Länge und wird zur Erfolgsnummer: Der erste Fall wird geklärt – und am Ende steht die Gründung der Detektei „Psych“. Shawn Spencer übernimmt ab da immer wieder neue Fälle als hellseherischer Berater, der stets und ständig eine Show abzieht, für das Santa Barbara Police Department. Ohne Unterstützung geht es nicht und so zieht er seinen besten Freund jedes Mal mit hinein – und hält diesen erfolgreich von seinem eigentlichen Job als Pharma-Vertreter ab.

Schnell auf den Punkt gebracht: Shawn Spencer, ein pseudo-hellseherischer Detektiv mit mehr als nur einer Neigung zu übertriebenem Quatsch und Klamauk, der dem Ernst des Lebens gerne aus dem Weg geht. Burton „Gus“ Guster, ein Pharma-Vertreter, der das Leben im Griff hat und daher immer wieder die Verantwortung für seinen besten Freund übernimmt, aber selbst auf der Suche nach der Liebe seines Lebens ist. Carlton Lassiter, ein schlacksiger Detective, der kein gutes Haar an dem PSYCHo-Team lässt, aber zur Zusammenarbeit mit den beiden gezwungen ist. Juliet O’Hara, die Junior-Partnerin von Carlton Lassiter, die hin- und hergerissen ist zwischen der Überzeugung vom eigenen Job und den Qualitäten des Hellseher-Duos. Henry Spencer, der stets nörgelnde und besserwisserische Paps von Shawn Spencer, der für die ausgeprägte Aufmerksamkeit verantwortlich ist, aber mit seinem Sohn auf Kriegsfuss steht. Karen Vick, die Chefin des Santa Barbara Police Departments, die das Chaos, das alle immer wieder anstellen, in den Griff bekommen muss. Das sind die Charaktere, die man als Zuschauer acht Staffeln lang erlebt und begleitet. Und es ließe sich noch viel mehr über sie sagen, denn das besonders spannende an der Serie ist, wie angenehm die Autoren die Charaktere immer wieder zum Scheinen bringen und keine losen Fäden hängenlassen. Und das über acht Staffeln hinweg.

Die Charaktere entwickeln sich im Laufe der Serie weiter, denn genau dem wird sehr viel Platz in der Erzählung eingeräumt. Und dieser große Vorteil ist gleichzeitig auch ein Nachteil – zumindest für Krimi-Liebhaber. Die Serie hat irgendwann damit eingesetzt, die eigentlichen Fälle in den Hintergrund zu stellen, teilweise sind sie nur noch Beiwerk und werden schnell gelöst. Das geht auch damit einher, dass mehr und mehr Fälle mit den Charakteren unmittelbar verknüpft sind bzw. diese immer zufälliger in verbrecherische Situationen gelangen. Das dürfte spätestens mit der Folge EIN ABEND MIT DEM GEHEIMNISVOLLEN MR. YANG – S03E16 (USA 2009) begonnen haben, als SHAWN SPENCER zum auserwählten Gegenspieler von Mr. Yang wurde. Spannend ist, dass alle Folgen sehr unterschiedliche Geschichten und Szenarios bieten, nichts wiederholt sich – das hält die Serie über die gesamte Länge sehr frisch. Allerdings wirkt sie durch den Fokus auf die Charaktere manchmal auch etwas wie eine Seifen-Oper – positiv wie negativ.

Lange habe ich mich gefragt, weshalb ich besonders gerne die Folgen der ersten beiden Staffeln sehe, obwohl alle 121 Folgen Unterhaltung pur bieten. Inzwischen liegt es mir deutlich vor Augen: Der Krimi steht mehr im Mittelpunkt und die Charaktere bringen noch keine längeren Geschichten mit. Es läuft ab wie eine Serie aus den 1980ern: Das Thema der Serie ist vorhanden und jede Episode bringt etwas neues mit, ohne unnötigen Ballast vorhergehender Folgen. Das ist keine harsche Kritik, die die ersten beiden Staffeln den anderen gegenüber den Vorzug geben soll. Es ist nur einfacher, diesen Folgen mal schnell einen Besuch abzustatten – denn je weiter man in der Serie voranschreitet, desto mehr möchte man auch am Ball bleiben, Zeit mit den Charakteren verbringen. Das lohnt sich auch, denn das Finale ist ein wunderbarer und äußerst passender Abschluss der gesamten Reise.

Diese Serie ist mit viel Liebe gemacht, anders lässt es sich kaum beschreiben. Liebe für die Charaktere, Liebe für Quatsch und Klamauk, Liebe für Schauspieler, Filme, Serien, Musik, ach, Liebe für alles Popkulturelle. Und Liebe für die Freundschaft, denn die seit der Kindheit bestehende Freundschaft zwischen Shawn und Gus ist eine für die Ewigkeit – bei allem Chaos, das damit verbunden ist. Eine schönere Bromance hat es in Film und TV bisher wohl noch nicht gegeben.

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