Eine Podiumsdiskussion Als Drahtseilakt

Am 09.11.2015 hatte die Graduierten-Akademie zu einer Podiumsdiskussion zum Thema »Die Promotion als Drahtseilakt« mit Minister Mathias Brodkorb geladen. Promovierende mussten am Ende jedoch eine Lehre daraus ziehen: Fehlt ein roter Faden und geht die Diskussion am Thema vorbei, kann bei allen Ambitionen nichts draus werden.

Das Interesse war groß und die Aula der Universität mit beinahe 200 Teilnehmern gefüllt. Vor allem interessierte Promovierende, die dem Austausch über den für sie so wichtigen »Drahtseilakt« lauschen wollten, hatten sich eingefunden. Nach einleitenden Worten des Rektors Prof. Dr. Wolfgang Schareck und der Vorstellung einer Studie zu den Karrierewegen von promovierten Wissenschaftlern durch die Moderatorin der abendlichen Veranstaltung, Dr. Beate Scholz, wurde unmittelbar mit dem ersten Teil der Podiumsdiskussion begonnen, an dem der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, Mathias Brodkorb, sowie der Rektor und die Sprecherin des Graduiertenrates sowie Promotionsstudentin der Philosophischen Fakultät, Ulrike Bruhn, teilgenommen haben.

Bereits die Einstiegsfragen – so etwa, welche von drei benannten möglichen beruflichen Wegen Ulrike Bruhn einschlagen würde, wenn sie daraus wählen könnte – führten im Publikum vereinzelt zu Stirnrunzeln und Kopfschütteln. Es bleibt zu vermuten, was die Diskutanten davon gehalten haben. Schnell zeigte sich, dass hier die Karrierewege, die man nach dem Drahtseilakt und somit nach erfolgreicher Promotion einschlagen kann, diskutiert werden sollten. Der Schwerpunkt lag auf den Chancen und Aussichten der Post-Doc-Phase, also weit in der Zukunft. Das Schlagwort Post-Doc fiel dermaßen häufig von Seiten der Moderation, dass – wie sich in Gesprächen im Anschluss an die Veranstaltung bestätigte – vereinzelt Anwesende die Veranstaltungshinweise auf Papier oder via Smartphone online überprüften, nur um sicherzugehen, ob man auch wirklich in der richtigen Veranstaltung sitzt und nicht versehentlich falsch abgebogen und auf einmal in der Twilight Zone gelandet ist.

Was ist also schiefgelaufen bei dieser Veranstaltung, die vorab auf dem Papier so interessant und anregend gewirkt hatte? Die Äußerungen der Diskutanten selbst sind keineswegs uninteressant gewesen – allerdings haben die gestellten Fragen nicht genügend Spielraum bereitgehalten, um die eigentliche Zielgruppe der Promovierenden abzuholen und dieser Aufmerksamkeit zu schenken. Nun müsste man sich als Promovierender aber auch die Frage stellen, welche inhaltlichen Erwartungen überhaupt gestellt werden konnten. Einerseits, das wurde bereits deutlich, dass nicht am Thema vorbeigeredet wird. Andererseits aber vor allem, dass die anwesenden Promovierenden schlichtweg den Eindruck gewinnen können, in den Herausforderungen des Drahtseilakts erkannt und verstanden zu werden. Wahrscheinlich wäre dies absolut ausreichend gewesen. Lösungen für konkrete Probleme oder hochschulpolitische Fragen zu finden, wäre keinesfalls zu erwarten gewesen. Ein deutliches Zeichen zu setzen, so dass man sich als Promovierender verstanden fühlen kann und somit nicht alleine steht, das wäre nicht schlecht gewesen.

Die Quintessenz dieses Abends bleibt bestehen: Ohne roten Faden und ohne Erläuterung, worum es gehen soll und wie man voranschreiten will, bringen alle geäußerten Worte nichts, denn die Gefahr ist groß, den Kern des Themas zu verfehlen. Jemandem, der sich eines Dissertationsprojekts annimmt, muss das jedoch nicht mehr vermittelt werden, denn spätestens mit den bereits geschriebenen Bachelor- und Masterarbeiten dürfte sich diese Erkenntnis bereits vor einiger Zeit eingestellt haben.

Was bleibt also unter dem Strich stehen? In der letzten Ausgabe vom »heuler« erschien eine Reihe, in der sich Promovierende verschiedener Disziplinen vorstellen und über die jeweiligen Promotionsbedingungen und -phasen sprechen. Ein Blick darauf lohnt sich – und wäre in der Vorbereitung auf die Podiumsdiskussion sicherlich auch sinnvoll gewesen.

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